In diese Rubrik gehen interessante Meldungen aus der Presse sowie eigene Reflektionen ein. Eventuell wird aus dieser Fundgrube auch ein vollwertiger Blog - wir werden sehen. Unser erster Beitrag zeigt Verbindungen zwischen der Geschichte des Simultandolmetschens und der Geschichte Deutschlands.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihr Sprachbüro Leipzig!
Dolmetschtechnik aus der DDR
Das moderne Simultandolmetschen mit Übertragungstechnik wurde erstmals im Rahmen der Nürnberger Prozesse zwischen dem 20. November 1945 und dem 14. April 1949 umfangreich und öffentlichkeitswirksam angewendet, da der Prozess bei Verwendung des bis dahin üblichen Konsekutivdolmetschens viel zu lange gedauert hätte.
Nur kurze Zeit nach dem Ende der Nürnberger Prozesse wurde am 23. Mai 1949 die Verfassung der BRD verabschiedet. Die Gründung der DDR auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone erfolgte am 7. Oktober desselben Jahres.
Zwei grundsätzliche Komponenten der Simultananlage, wie sie bei den Nürnberger Prozessen verwendet wurde, haben sich bis zum heutigen Tag erhalten - das Mikrophon mit Sender für den Dolmetscher auf der einen Seite und der Kopfhörer für die Zuhörer auf der anderen. Allerdings war die Art der Tonübertragung zwischen diesen beiden Komponenten einem ständigen technologischen Wandel unterzogen.
Empfangsgerät WH40 mit Ohrhörer
aus Lagerbeständen der DDR
Dieses Empfangsgerät aus alten Lagerbeständen der DDR funktionierte noch nicht wie die meisten heutigen Systeme mit Infrarottechnik, sondern mit Hilfe einer im Boden verlegten Induktionsschleife. Der aus der Dolmetschkabine zu übertragende Ton wurde von einem Mikrofon aufgenommen und über eine Verstärkerkette in eine im Boden des Konferenzsaals verlegte Drahtschleife gespeist. Diese sogenannte Induktionsschleife produzierte ein Magnetfeld, welches durch die kleine, im Empfänger eingebaute Spule, die quasi wie ein Telefon funktionierte, in einen Ton zurückverwandelt wurde. Auf diese Art und Weise konnte der Träger des Empfängerteils über den kleinen Ohrhörer der Verdolmetschung folgen.
Das Empfangsgerät aus den Lagerbeständen der DDR wird im Sprachbüro Leipzig als ein kleines Puzzleteil zu der so eng mit der Geschichte Deutschlands verbundenen Technik des Simultandolmetschens aufbewahrt.
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